Außergewöhnliche Frauen – Shilpika Gautam – Ganges SUP zum Weltrekord

Shilpika Gautam war eine der wohl natürlichsten und intensivsten Begegnungen für mich auf der Protect Blue Konferenz in Noli, Italien. Diese fand vom 13. bis zum 17. Juli 2017 statt und ermöglichte Industriellen, Aktivisten und Sportlern zusammen zu kommen und Lösungen für mehr Nachhaltigkeit und Aufklärung zum Klimawandel zu erarbeiten.

Sie in wenigen Worten zu beschrieben ist unmöglich, jedoch würde ich definitiv die Attribute herzlich, offen und klar, neugierig, verspielt, tiefsinnig, durchsetzungsstark, mitfühlend, ehrlich, direkt, geerdet und federleicht verwenden.

Schon bei der Eröffnungszeremonie fanden wir schnell zu einander, nicht zuletzt meiner Tochter Lis wegen, die im Shilpika and Lisbesonderen indische, Herzen zu betören versteht. Shilpika ist eine Persönlichkeit, die sich von der Masse abhebt. Um sie herum wird alles lebendig und bunt.

Shilpika Gautam wurde in Indien geboren, wuchs in Agra auf und lebte ein reichliches Jahrzehnt im Ausland, hauptsächlich in England. Als Ingeneur für Informatik und mit einem Master in Business war sie im Bankwesen tätig. Diesen Job hat sie aufgegeben, um eine Aufgabe mit Sinn, Bedeutung und einer spürbaren Wirkung zu finden. Als Aktivistin mit dem Motto „Doing good better“ setzt sie sich für die Umwelt und eine stärkere Rolle der Frau ein.

 

 

„Ich war mir nicht sicher, ob es dauerhaft war oder nicht, aber ich wusste, dass, wenn sich etwas in meinem Leben ändern musste, wäre es in Indien.“

SUP Ganges - Shilpika Gautam

Photo Credit @ Pascal Dubois

FB Picture Ganges SUPIm Januar 2017 führte Shilpika das TeamGangesSUP zur ersten, mit dem Stand Up Paddle Board bezwungenen Expedition des Ganges in Indien, von der Quelle (Gomukh) bis zum Meer (Bay of Bengal). In 101 Tagen reiste die Crew fast 3000 km, einerseits um das Bewusstsein für sauberes Wasser zu wecken und andererseits um sich durch ein solches Abenteuer wieder mit dem Land, in dem sie geboren wurde und das sie 10 Jahre lang fast nicht gesehen hat, zu verbinden. An diesem Punkt hatte sie noch keine großen Erfahrungen mit Abenteuern als solchen, Stand Up Paddeling und auch Ihr Wissen über die Verschutzung durch Plastik hielt sich in Grenzen. Der Drang in ihr nach Veränderung war stark und ihr war klar, dass sie etwas Massives umsetzen musste, um diesem gerecht zu werden. So entschloss sie sich von der Spitze des Gletchers in Gomukh aus zu starten und die 2977 km lange Strecke bis zum Meer am Golf von Bengalen zu paddeln.

Die Reise eines anderen kann man nur schwer erzählen. Am besten schaut Ihr in die Videos unten oder auf die Facebook Seite von Ganges SUP, um einen unverfälschten Eindruck von diesem Abenteuer zu bekommen.

Mit dieser Streckendistanz markiert die Expedition einen neuen Weltrekord als „längste Strecke, welche von einer Frau auf einem Paddelboard in einer kontinuierlichen Reise absolviert wurde“. Bis dahin lag der Rekord bei 2231 km. Um sich auf diese Reise vorzubereiten, paddelte Shilpika schon als erste Frau den längsten Fluss in den Britischen Inseln, den Shannon River in Irland, von der Quelle bis zum Meer.

In ersten Linie wollte Shilpika den Zustand des Flusses richtig beurteilen, dokumentieren und ein Verständnis über die negativen Auswirkungen und die Sinnlosigkeit von Einweg-Plastik schaffen, befreit von seiner Heiligkeit den IST-Zustand ins rechte Licht rücken.

Jetzt, zurückgekehrt nach Indien, arbeitet Shilpika an einer Reihe internationaler Projekte. Dabei setzt sie ihre Erfahrungen aus den Bereichen Finanzwesen, Technologie und Unternehmensbildung ein, um Projekte mit sozialen und nachhaltigen Einflüssen umzusetzen.

Mit WaterAid stellt sie derzeit Toiletten entlang des Ganges auf, um nicht zuletzt auch die Belastung des Flusses zu reduzieren.

1986 wurde ein Ganga-Aktionsplan durch die Regierung mit dem Ziel gestartet, die Wasserqualität auf einen akzeptablen Standard zu erhöhen. Leider ist selbst nach 30 Jahren, das Ziel noch das Gleiche. Die plastische Explosion, obwohl problematisch, ist nur oberflächlich. Der wichtigste Faktor für das Problem ist das unbehandelte Abwasser.

„Es gibt viele Lösungen, aber du musst herausfinden, was die Raumbeschränkungen hergeben und was die Leute sich in dieser Umgebung leisten können.“

Twin Pit Toilet

Der Aufbau von Twin-Pit-Toiletten und Ökostrom-Toilette, die auch als Vor-Ort-Behandlung von Abfällen dienen, stellt sich als die praktischste und am besten umzusetzende Lösung dar.

Die Abfälle werden in zwei Gruben gesammelt. Während sich eine füllt, trocknet die andere. Der getrocknete Abfall kann dann einer Fäkalschlammbehandlung unterworfen und sukzessive als Kompost verwendet werden. Die Ökodampf-Toilette ist eine Innovation, die eine dampfdurchlässige Membran verwendet, um den Prozess der Austrocknung in den Twin-Pit-Systemen zu beschleunigen. Dadurch wird sichergestellt, dass es kein Bakterienwachstum und somit auch keine Grundwasserverunreinigung gibt.

Auch wenn diese Lösungen günstig in der Umsetzung sind, wird das Geld immer ein limitierender Faktor sein. Um dieses Projekt am Leben zu erhalten und auszubauen, setzte Shilpika auf Crowdfunding für ihre Kampagne # Poop-Free Ganga. Bei Ablauf der Aktion konnte sie bereits 71.000 Rupien, was circa 950 Euro entspricht, einfahren. Dies mag für europäische Verhältnisse wenig erscheinen, jedoch in Indien lässt sich damit schon viel bewegen.

Als Autorin erfreut sie sich internationaler Publikationen und in Noli konnte ich mich von ihren beeindruckenden Fähigkeiten als Rednerin, die die Mengen begeistert und mitnimmt, überzeugen. Zur „Woman of the Year“ wurde sie kürzlich von Femina Woman´s Award nominiert. Auch wenn sie diesen Award letztendlich nicht mit nach Hause nehmen konnte, ist sie für mich ohne Zweifel die Frau des Jahres!

Shilpika Gautam talking about her journey in Noli 2017

Speaking at the Green Surf Festival in Noli – Photo Credit Georgia Schofield Starboard + Protect Blue

Viele Worte können Ihre tatsächliche Präsenz kaum wieder spiegeln. Schaut Euch am besten die Videos an, um Euch ein Bild von ihr und der Reise zu machen.

 

Was bewegt diese Geschichte in Euch? Teilt Eure Gedanken gleich hier unten im Kommentar Feld!

 

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2 Kommentare

  • Heidi sagt:

    Was diese Geschichte in mir bewegt? Staunen und Bewunderung, kommt mir als erstes in den Sinn. Im Positiven, wie im Negativen. Letzteres über die Tatsache, dass wir Menschen fähig sind, unsere Paradies, die Erde, so gründlich zu zerstören, bis in den fernsten Winkel. Und das überwältigende Positive, dass es Menschen gibt, die es zu ihrem Herzensanliegen machen, diese furchtbare Entwicklung öffentlich zu machen und für eine Umkehr zu kämpfen.
    Eine enorme Leistung für eine Frau, diese lange Reise zu schaffen – denn nach wie vor gibt es ja Unterschiede in der körperlichen Kraft von Männern und Frauen. Aber Frauen halten besser durch, und das ist auf so einer Reise wohl das Wichtigste. Und die feminine Grundenergie ist, Sorge zu tragen. Erst für die eigene Familie – und jetzt zunehmend für die Menschen als globale Familie auf diesem Planeten. Wir Frauen sind aufgerufen, dem maskulinen Prinzip des „Immer mehr“ und „egal was die Konsequenzen sind für meinen Erfolg“ nachhaltig entgegen zu wirken.

    • Uta sagt:

      Heidi – Du sprichst mir aus der Seele!
      Auch mich bewegen diese Geschichten und erfüllen mich mehr und mehr mit Hoffnung. Noch ist nichts verloren und gemeinsam können wir einen Wandel herbeiführen.
      Ich bin schon an den nächsten Artikeln dran, es folgen noch weitere unglaublich großartige Porträts von Menschen mit Ihren Projekten und Herangehensweisen. Weitestgehend aus weiblicher Hand, aber auch sehr beeindruckende Geschichten aus dem maskulinen Lager.

      Stand Up Paddling ist mehr als nur eine Trend-Sportart. Es wird mehr und mehr zur Lebenseinstellung.

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