Biss mit Wirkung

Habt ihr Euch schon mal wirklich Gedanken über einen Zeckenbiss gemacht? Wir leben in Sachsen und da ist zumindest mal keine FSME Gefahr, laut Statistik.

Nun, ich hatte in meinem Leben schon einige Zecken und auch meiner Tochter wurde schon die eine oder andere entfernt. Noch nie gab es diesbezüglich irgendwelche Schwierigkeiten oder Komplikationen. Bis Jetzt!

Eine verschleppte Sommergrippe hat mich im August an den See getrieben. Genug hatte ich vom Unwohlsein und es heißt ja so schön, dass frische Luft immer noch die beste Medizin ist. Ein herrlicher Nachmittag war das. Gediegenes Stand UP Paddling und den Abend ließ ich noch an der Strandbar ausklingen. Genau da muss sich das kleine Biest über mich hergemacht haben.

Achtung Zecken - auch beim Stand Up Paddling

Trotz abendlicher Dusche und kurzer Sichtkontrolle nach Zecken, entdeckte ich am nächsten Tag den kleinen Sauger an meinem Knie. Mit Zecken-Pinzette und geübtem Dreh war der Quälgeist schnell samt Kopf entfernt. Die Stelle juckte und war etwas geschwollen, wie ein Mückenstich. Für mich kein Grund zur Sorge, diese Reaktion hatte ich schon einmal auf einen Zeckenbiss. In diesem Moment hatte ich ganz andere Sorgen. Meine Grippe wollte und wollte nicht besser werden. Einige Tage später – die Sommergrippe wütete schon die 3. Woche – war ich so matt, dass sogar der Arzt zum Hausbesuch vorbeikam. Der meinte nur, ich fahre die richtigen Heilmethoden auf und sollte diese weiter fortsetzen. Er meinte, es sieht viral aus und Antibiotika würde nichts bringen. Gegebenenfalls müsste ich mich noch einmal vorstellen.

Meinem Knie schenkte ich in dieser Zeit wenig, um genauer zu sein KEINE, Beachtung.

Eine weitere Woche verging und zum Husten gesellten sich Gevatter Gliederschmerzen, Folterknecht Kopfschmerz und der böse Zauberer unglaubliche Müdigkeit. Wie ich da als Häufchen Elend bei der größten Hitze im Schatten dahinvegetierte, fiel mein Blick auf mein Knie, wo 2 Wochen vorher die Zecke ihren Durst stillte. OH OH: rot – geschwollen – heiß!

Borreliose Bild -

Borreliose – so kann einen Wanderröte aussehen

Da es Freitag war, überlebte ich mehr schlecht als recht das Wochenende und besuchte Montagmorgen die Praxis meiner Ärztin (ich kannte Sie eigentlich noch gar nicht, denn wenn ich eines nicht mag, dann sind das Ärzte).

Die Erkältung und der Zeckenbiss waren eine sehr ungünstige Kombination. Die Erkältung konnte nicht heilen, da der Körper an der Borreliose im Einsatz war und die Symptome der Borreliose machten die Grippe zum Superhit. Yeah!

Schwuppdiwupp hatte ich ein Rezept für 3 Wochen Antibiotika – Doxycyclin – das Mittel der ersten Wahl bei Borreliose, wie mir die Ärztin versicherte. Nach harten Verhandlungen kam Sie von der verrückten Idee einer längeren Krankschreibung ab und willigte meinem Vorschlag von 2 Tagen ein. Schließlich hatte ich gerade erst einen neuen Job angefangen und wollte ungern den Start durch sofortigen Ausfall vermiesen. Ich verstand nicht, warum ich so lange krank war. In den letzten Jahren war ich maximal 2 Tage im Jahr krank. Nichts Ernstes und immer war es schnell wieder vorbei.

Nun gut, nach 2 Tagen, sollte ich mich deutlich besser fühlen, Dank Antibiotika – so die ärztliche These.

Ich weiß nicht, ob meine Eltern mir als Kind dieses Medikament verabreicht haben, seit ich 16 bin und für mich allein sorgte, bin ich überzeugt, niemals ein Antibiotikum zu mir genommen zu haben. Demzufolge hatte ich keinen Schimmer was mich erwartet. Am nächsten Tag ging es mir noch schlechter und so stand ich gleich wieder in der Praxis. Mit der Aussage, ich müsste Geduld haben, schickte mich die Ärztin in die Verlängerung bis zum Ende der Woche auf die Couch. Wer mich kennt, versteht welchen Alptraum, dass für mich darstellt. Das kann man schon mal machen, mit der Couch, so 1–2 Stunden in der Woche, aber tagelang?!

Ich geduldete mich und statt besser wurde es nur noch schlimmer. Um den Zeckenbiss bildete sich die Wanderröte, welche ein starkes Indiz für eine Borreliose darstellt. Die Kopfschmerzen wurden so massiv, dass selbst vom Apotheker hoch gepriesene Migräne Pillen nichts brachten. Also stand ich wieder an der Anmeldung und empfing ein Rezept für ein super-duper Schmerzmittel. Wenigstens das wirkte. Tag Nummer 4. Ich fühlte mich schon echt prima, zumindest nach dem Aufstehen, brachte meine Süße in die Kita und gab mir die Wunderpille nach dem Frühstück. Kurze Zeit später war der Spaß vorbei. Naiv dachte ich mir, Oha, vielleicht warst Du doch noch nicht wieder so fit, wie du dir das dachtest. Einen Zusammenhang zum Medikament stellte ich noch nicht her. Am 5. Tag machte es dann jedoch Klick! Ich fühlte mich ausgezeichnet in der Früh, war guter Dinge und freute mich, Montag wieder zur Arbeit gehen zu können. Frühstück – Pille – Zusammenbruch der Vitalität nach genau 30 Minuten. Jetzt war es klar, da stimmt was nicht. Und so besuchte ich meine neuen Freunde in weißen Kleidern erneut. Unverträglichkeit lautete die Diagnose und ich wurde auf Cefuroximaxetil umgestellt.

Ab diesem Moment ging es steil Berg auf, wenngleich ich noch müde und schwach daherkam.

Nach 2 Wochen Antibiotika war ich guter Dinge und meinte mich schon einem Aufbautraining unterziehen zu können. Keine gute Idee! Nach einen kurzen Lauf von nicht mal 3,5 km bei gemäßigter Geschwindigkeit, meinte ich sterben zu müssen. Noch mehr Geduld war gefragt.

Um so mehr war ich Feuer und Flamme, als ein Bekannter zum Paddeln anfragte. Wir verabredeten uns für eine Tour auf der Elbe. Direkt vor meiner Haustür. Da bin ich noch nie gepaddelt. Warum eigentlich?

Als ich ein Kind war, war die Elbe noch echt dreckig, hat gestunken und niemals hätte ich einen Fuß hineingesetzt. Auch wenn seit Jahren Auswertungen vorliegen, dass die Wasserqualität enorm besser geworden ist, steckt so ein Gedanke doch recht tief in einem drin.

Oh, wie bin ich dankbar, dass eine noch sehr neue Person in meinem Leben, den Impuls dazu brachte, es tatsächlich zu tun.

Warum ich Euch das alles erzähle:

Die letzten 2 Monate waren eine große Herausforderung für mich. Ich habe gezweifelt, ich habe gehadert, ich habe gelernt und ich habe meine Augen neu geöffnet. Der Zeckenstich war in Vielerlei Hinsicht ein Biss mit Wirkung.

Lektion Nummer 1

In den letzten Monaten, um genau zu sein, seit wir aus Italien zurück sind, hatte ich fast keine Zeit und Energie um mich dem Projekt „Stand UP Paddle Family“ zu widmen. Ich war fast nicht imstande überhaupt Paddeln zu gehen und so begannen Zweifel an mir zu nagen, ob dieser Blog eine gute Idee war. Kann ich wirklich damit etwas verändern? Interessiert es eigentlich jemanden, was sich schreibe? Bin ich imstande die Qualität und vor allem die Authentizität meiner Artikel zu halten?

Die Antwort, die ich fand, war JA. Während ich mit mir selbst zu tun hatte, kamen Kommentare – out of the Blue – zu meinen Artikeln, Leute schrieben sich für den Newsletter ein und selbst meine Facebookseite verzeichnete neue Follower. Danke dafür an dieser Stelle. Ihr macht mir Mut und gebt mir den Drive weiter zu machen.

Lektion Nummer 2

Es ist wichtig sich die Zeit für sich zu nehmen. Also seid Euch sicher, auch wenn es hier mal ruhiger ist, ich bin noch da. Das Leben verläuft periodisch. Es gibt Phasen die vergehen. Es gibt Zeiten, wo andere Dinge mehr Aufmerksamkeit einfordern und Zeiten in der ich alle Energie für mein Hauptprojekt, meine Tochter, benötige.

Lektion Nummer 3

Diese Lektion empfinde ich am wichtigsten und sie birgt die Intention für diesen Artikel.

Unterschätzt Zecken nicht! Ich persönlich habe mir nie viel Gedanken um Zeckenstiche gemacht. Mittlerweile sehe ich das anders und möchte möglichst meine Tochter davor schützen, 3 Wochen Antibiotika nehmen zu müssen. Also lange Kleider im Wald, gegebenenfalls Zeckenschutzmittel (es gibt auch natürliche Varianten) und immer gleich nach dem Wald absuchen, wenn möglich abduschen. Wenn die Zecke schon zugebissen hat, ist es noch kein Grund zur Panik. Die Borreliose-Bakterien leben im Darm der Zecke und erst ab 10–12 Stunden nach dem Stich gelangen die Bakterien in unseren Körper. Seid wachsam!!!!

Bei meinen Recherchen habe ich herausgefunden, dass nur 6-35 % aller Zecken in Deutschland von Borreliose befallen und nur 1,5-6 % aller Stiche führen zu einer Infektion. In 0,3-1,4 % der Fälle kommt es zu einer Erkrankung, so aus der Studie des Robert-Koch-Institutes. Laut meiner Ärztin trägt jeder zweite Borrelien in sich. Diese können auch erst nach Jahren eine Erkrankung verursachen. Bitte denkt daran, bei dauerhaften Schmerzen und Müdigkeit Euch auf Borreliose zu testen!

Lektion Nummer 4

Das Gute liegt näher, als man denkt!

Was habe ich geflucht, als ich den einen Job, welchen ich echt gerne wollte, nicht haben konnte. Die Tür zum Seen-Paradies schloss sich und ich war traurig, kein tolles Gewässer in meiner Nähe zu wissen. Hallo, ich wohne nur 200 m von der Elbe entfernt in einer malerischen Landschaft. Erkannt habe ich diesen Schatz bisher nicht. Macht die Augen auf!!!! Werft alte Vorurteile über Board und seid dankbar für die Geschenke des Lebens. Alles was Ihr braucht ist direkt, da wo ihr seid.

So, hier ist mein COMEBACK!

Habt Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht oder Fragen? Teilt Eure Gedanken! Ich habe euch vermisst.

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2 Kommentare

  • Heidi sagt:

    Hallo Uta,
    Was für eine unangenehme Erfahrung, die man niemandem wünscht! Nur gut, dass Du das jetzt überwunden hast und gelernt hast, in Zukunft mehr auf diese Viecher acht zu geben.
    Ich selber bin früher oft von Zecken gebissen worden, jetzt kaum noch. Jetzt finde ich sie nur noch manchmal an Katz und Hund und da habe ich mich jetzt zur regelmäßigen Gift.Gabe entschlossen, auch wegen andrer Krankheiten, die Insekten für die Haustiere übertragen können.

    Vor ein paar Jahren hatte ich einen Gast, der auch von Borreliose befallen war. er hatte einen Kreis von 15-20 cm am Bein in allen möglichen Farben, super spanneend anzusehen, aber wohl nicht, damit umgehen zu müssen. Meine Freundin Ärztin hat ihm sofort Antibiotika verordnet, aber er muss es wohl schon länger schleifen gelassen haben, dass es zu einem so farbigen Ergebnis kam….
    Schön, dass du wieder im Blog bist!
    Liebe Grüße
    Heidi

    • Uta sagt:

      Hallo Heidi!
      Danke für Deine lieben Worte.

      Ja, alles wieder gut. War das Wochenende auf einem wundervollen Festival, um meine Energie wieder richtig aufzuladen (Agape Zoe Festival).

      Das muss nicht sein, dass Euer Besucher es hat schleifen lassen! Ich habe zum Beispiel den Ring erst sehr spät bekommen und erst nach Beginn der Therapie. Vorher war es wie ein großer Mückenstich.
      Ich habe mittlerweile in Gesprächen mit anderen Betroffenen von unterschiedlichsten Verläufen gehört.

      Erinnert uns wieder daran Achtsam zu sein.

      Herzlichst
      Uta

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